Grundwasserstand Oktober 2004 - Kaum Grundwasserneubildung - Infiltration zeigt positive Wirkung
Datum: 07.03.05


(04.10.2004)

Das extreme Trockenjahr 2003 hat sich bis in den Herbst 2004 auf die Entwicklung der Grundwasserstände ausgewirkt. Die Niederschläge des Jahres 2004 konnten das Defizit des Vorjahres bisher nicht ausgleichen, da die Regenmengen zahlreicher Monate des Jahres 2004 wiederum unter den langjährigen Mittelwerten lagen.

Im Hessischen Ried erfolgt die Grundwasserneubildung vorwiegend in den Winter- und ersten Frühlingsmonaten, wenn durch sinkende Temperaturen und die ruhende Vegetation die Verdunsttung abnimmt, der Niederschlag den Bodenwasserspeicher auffüllt und als Sickerwasser in das Grundwasser gelangt. An der Station zur Messung der Grundwasserneubildung ("Lysimeter") in Eschollbrücken konnte seit April 2003 keine Sickerwasserspende mehr gemessen werden. In der Lysimeterstation Forsthaus Jägersburg sickerten nur zwischen Februar und April 2004 geringe Wassermengen in das Grundwasser, die Gesamtmenge blieb weit hinter dem langjährigen Mittelwert zurück. Demnach fand im Jahr 2004 in weiten Teilen des Hessischen Riedes bisher nur eine geringe oder keine Grundwasserneubildung statt. Nur in Bereichen mit geringen Grundwasserflurabständen führten die Sommerniederschläge zu einem Anstieg des Grundwasserstandes.

Mit Blick auf die Witterung der letzten Monate besteht demnach weiterhin die Tendenz zu fallenden Grundwasserständen. Der niedrige Pegelstand im Rhein trägt hierzu in einem etwa 2 km breiten Streifen parallel zum Fluss bei.

Um die absehbare witterungsbedingte Entwicklung fallender Grundwasserstände frühzeitig zu bremsen und auszugleichen, wurden im September bzw. Dezember 2003 die Infiltrationsanlagen wieder in Betrieb genommen. Nach zunächst geringen Mengen im Anfahrbetrieb wurden die Infiltrationsmengen in den Anlagen Eschollbrücken/Pfungstadt, im Gernsheimer und Jägersburger Wald und den Grabensystemen kontinuierlich gesteigert. Um die Vorgaben des Grundwasserbewirtschaftungsplanes Hessiches Ried (GWBWPL) auch in der aktuellen Trockenphase zu erfüllen, werden z.Zt. sehr hohe Wassermengen in den Grundwasserkörper infiltriert. Hierdurch konnten die Wasserstände im aktuellen Einflussbereich der Infiltrationsanlagen gehalten oder lokal um mehrerer Dezimeter angehoben werden. Der Wirkunsgbereich der Infiltration breitet sich dabei nur langsam nach außen aus. Die auf die Grundwasserstände abgestimmten Infiltrationsmengen werden im Jahr 2004 deutlich über den Planwerten für klimatisch mittlere Jahre liegen. Ausführliche Informationen hierzu bietet der Wasserverband Hessisches Ried.

Beide aktuelle Faktoren - geringe/fehlende Grundwasserneubildung und die intensiv betriebene Infiltration - ergeben momentan zwei deutlich zu unterscheidende Bereich der Grundwasserstandsentwicklung: konstante oder langsam steigende Grundwasserstände im Einflussbereich der Infiltration; weiterhin leicht fallende Grundwasserstände in den übrigen Gebieten. Insgesamt liegen die Wasserstände auf einem mittleren bis tiefen Niveau, d.h. unterhalb der Richtwerte des GWBWPL. Im Bereich um Viernheim, der in den letzten Jahren einen markanten Grundwasseranstieg verzeichnete, liegen die Grundwasserstände weiterhin überdurchschnittlich hoch.

Die teilweise ergiebigen Niederschläge Ende September 2004 werden in Flächen mit geringen Grundwasserflurabständen (z.B. "Neckarried") auch außerhalb des Einflussbereiches der Infiltration zu einem Anstieg der Grundwasserstände führen. Es bleibt abzuwarten, wann in den Gebieten mit höheren Flurabständen die Grundwasserneubildung wieder einsetzt.

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