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Aktuelles: Der „Runde Tisch“ im Ried. Wie arbeitet die Wasserversorgung mit?
Geschrieben am 04.04.14  Optionen: Druckversion Artikel versenden

Runder TischAusgehend vom Grundsatzbeschluss des Hessischen Landtags im Jahr 2006 wurde im März 2012 die Einrichtung eines „Runden Tisches“ zur nachhaltigen Stabilisierung der Wälder bzw. der Verbesserung der Grundwassersituation im Hessischen Ried beschlossen. Der Start erfolgte nach fachlichen und wissenschaftlichen Voruntersuchungen (Machbarkeitsstudie) im August 2012.



Derzeit werden viele Fragestellungen intensiv bearbeitet werden. Zum aktuellen Stand sowie über die Machbarkeitsstudie informiert die Homepage des „Runden Tisches“. Nachfolgend soll aus Sicht der Wasserversorgungsunternehmen informiert werden, wie sie am Runden Tisch mitarbeiten, welche Positionen sie vertreten, worum es dabei geht und wann bzw. wie es danach weiter gehen könnte.


I.       Wie arbeiten die öffentlichen Wasserversorgungsunternehmen am „Runden Tisch“ mit?

Beteiligt  sind die Hessenwasser GmbH & Co. KG, der Wasserbeschaffungsverband Riedgruppe Ost und der Wasserverband Hessisches Ried (WHR). Erstere sind kommunale Unternehmen der Öffentlichen Wasserversorgung, der WHR ist eine selbstverwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts, die von den vorgenannten Wasserversorgern, der regionalen Landwirtschaft (Beregnungsaufgabe) und vier südhessischen Gebietskörperschaften (kommunale Interessen) mitgetragen wird. Die „Arbeitsgruppe Wasserwerke Hessisches Ried“ ist beratend beteiligt und damit auch die EWR AG, Worms und die Stadtwerke Mainz AG. Die Wasserversorgungsunternehmen betreiben gemeinsam mit der oberen Wasserbehörde dieses Portal “Grundwasser-Online“.

Am Runden Tisch bringen die Wasserversorgungsunternehmen ihre Fachkenntnis zur übergreifenden Grundwasserbewirtschaftung des Rieds und das behördlich anerkannte, instationäre Grundwassermodell für das Ried mit ein. Sie vertreten die Aufgabenstellungen der öffentlichen Wasserversorgung, des Verbandsplans und der Satzung des WHR im Kontext des „Runden Tisches“. Der WHR hat gemeinsam mit dem Land Hessen die Machbarkeitsstudie beauftragt, die seit 2011 vorliegt. Sie stellt eine wesentliche Grundlage für die Arbeit des Runden Tisches dar.


Natürliche Grundwasserstandsentwicklung

Abb. 1: Bevölkerungsdichte und Hauptwassertransport im Leitungsverbund Südhessen 
Bild größer
 
©  Arbeitsgemeinschaft WRM

Hessenwasser ist das regionale Wasserbeschaffungs- und Transportunternehmen für die Region Südhessen zwischen Biblis im Süden, Usingen im Norden, dem Rheingau im Westen und dem Main-Kinzig-Kreis im Osten. Das Unternehmen beliefert die lokalen Wasserversorger, welche die Wasserverteilung an die einzelnen Verbraucher vornehmen. Etwa 2 Mio. Menschen, d.h. die halbe Bevölkerung des Regierungsbezirks Darmstadt, erhält direkt oder indirekt, ganz oder teilweise Wasser von der Hessenwasser. Die Hessenwasser betreibt auch den regionalen Leitungsverbund und ist u.a. auch Betriebsführer für den WHR. Besonders die Kernregion Rhein-Main mit den Großstädten Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt sowie die Kommunen im Vordertaunus und Teile des Rheingau-Taunus-Kreises sind mit ca. 50 bis 100% des Wasserbedarfs auf Wasser aus dem Hessischen Ried angewiesen. Das Wasseraufkommen der Hessenwasser beträgt aktuell ca. 102 Mio. m³ pro Jahr, davon über 60 Mio. m³/a für Frankfurt und Wiesbaden. Aus dem Hessischen Ried stammen 54 Mio. m³ größtenteils durch Infiltration des WHR angereichertes Grundwasser und ca. 19 Mio. m³ teilweise angereichertes Grundwasser aus den Stadtgebieten Frankfurt und Wiesbaden. Die Gewinnungsanlagen in den Stadtgebieten sind durch konkurrierende Nutzungen stark gefährdet. 2013 bezog Hessenwasser 37 Mio. m³ von Vorlieferanten, davon 23 Mio. m³ aus dem Vogelsberg. Der WBV Riedgruppe-Ost liefert derzeit ca. 14 Mio. m³ pro Jahr an Hessenwasser.

Die Wasserbereitstellung aus dem Vogelsberg unterliegt aktuell starken ökologischen Einschränkungen. Die daher dort geplante Anbindung des ZMW Gießen an den Leitungsverbund wird für den Ballungsraum Rhein-Main insgesamt keine zusätzlichen Wassermengen verfügbar machen. Zielsetzung ist, die Lieferungen der OVAG aus dem Vogelsberg wieder auf den Mengenstand 2010 zu stabilisieren. Bedarfszuwachs und trockenheitsbedingte Einschränkungen können nur durch Mehrentnahmen und Mehrinfiltrationen im Ried ausgeglichen werden.

Diese Zahlen verdeutlichen die herausragende Bedeutung und vollständige Unverzichtbarkeit des Hessischen Rieds für die Wasserversorgung des Wirtschaftsraums Südhessen. Dies umso mehr, als bei teilweise sinkender Bevölkerung in Hessen, gegenläufig für den Ballungsraum Rhein-Main ein weiterer Bevölkerungszuwachs prognostiziert und aktuell auch gezählt wird.

Historisch ist der Leitungsverbund der öffentlichen Wasserversorgung seit 1871 und insbesondere nach 1960 gewachsen. Seit 1981 arbeiten die größten Wasserversorger in der Arbeitsgemeinschaft Wasserversorgung Rhein-Main mit der obersten Wasserbehörde, dem zuständigen Landesministerium, zusammen. Aus der Landesplanung, v.a. aus dem „Sonderplan Wasserversorgung Rhein-Main“, wurde ab 1963/64 der Ausbau der Wasserversorgung aus dem Hessischen Ried verantwortlich entwickelt und mit der Gründung des WHR auf Betreiben des Landes Hessen 1979 weiter geführt. Damit konnte Anfang der 1980er Jahre auf die unter Naturschutzgesichtspunkten umstrittene Ernstbachtalsperre im Taunus für die Trinkwasserversorgung verzichtet werden.


Grundwasserstände bei Allmendfeld
Abb. 2: Grundwasseranreicherung des WHR im Ried (Gernsheimer Wald)
Bild größer  © Hessenwasser  2014

Die heutige Struktur der Wasserversorgung Südhessens mit dem WHR als Rückgrat der Grundwasserbewirtschaftung und damit auch die herausragende Bedeutung des Grundwassers im Hessischen Ried, sind das Ergebnis hoheitlicher Landesplanung und der Maßnahmenumsetzung durch die kommunalen Verantwortungsträger für die Wasserversorgung der Bevölkerung. Mit der Gründung des WHR 1979, der Inbetriebnahme der Grundwasseranreicherung 1989 und der Veröffentlichung des Grundwasserbewirtschaftungsplans Hessisches Ried 1999 erfolgten Anpassungen an die gesteigerten gesellschaftlichen Anforderungen zur ökologischen Verträglichkeit ebenso, wie mit dem Gutachten zur umweltverträglichen Grundwassergewinnung im Vogelsberg 2001. So sichern der Leitungsverbund und das Ried mit dem WHR nicht nur die Wasserversorgung in der Menge, sondern in Gänze auch in der ökologischen Verträglichkeit.

Informationen zur Wasserversorgungsstruktur in Südhessen und zur „Wasserbilanz Rhein-Main“ sind auf der Homepage des RP Darmstadt verfügbar.

Eine aktuelle Bewertung wurde von der Arbeitsgemeinschaft Wasserbilanz-Rhein-Main mit der „Situationsanalyse zur Wasserversorgung in der Rhein-Main-Region“ im Oktober 2013 vorgelegt. Darin wird ausdrücklich auf fehlende Wassermengen und ein konkretes Versorgungsrisiko für die gesamte Region insbesondere in Trockenjahren hingewiesen. Als zwingend erforderliche Maßnahmen zur Sicherung der Wasserversorgung werden u. a. die erforderlichen Grundwassermengen durch Erteilung entsprechend ausgestalteter langfristiger Wasserrechte im Hessischen Ried und die Erhaltung und Optimierung der Aufbereitungs- und Infiltrationsanlagen heraus gestellt.

II.       Positionen der Wasserversorgungsunternehmen am Runden Tisch

  1. Die öffentliche Wasserversorgung als grundgesetzlich geschützte kommunale Aufgabe der Daseinsvorsorge darf durch neue konkurrierende Maßnahmen quantitativ (in der Menge) oder qualitativ (Trinkwasserschutz u. Güte) nicht beeinträchtigt werden. Dies ist eine der Arbeitsgrundlagen des „Runden Tisches“. Die öffentliche Wasserversorgung genießt wassergesetzlich Vorrang vor allen anderen Nutzungen des Grundwassers. Die Umwelt- und FFH-Verträglichkeit der Grundwasserentnahmen wurde in den Wasserrechtsverfahren geprüft und nachgewiesen. Durch flexiblen Infiltrationsausgleich erfolgen in Bezug auf die Vorgaben des Grundwasserbewirtschaftungsplans durch erhöhte Entnahmen keine Veränderungen des Grundwasserstands und es sind somit negative Wirkpfade grundsätzlich  auszuschließen.

  2. Maßstab für alle Maßnahmen im Grundwasser ist der Grundwasserbewirtschaftungsplan Hessisches Ried (GWB-Plan). 1999 wurde seine FFH-Verträglichkeit festgestellt. Die 2006 erfolgte Fortschreibung der Tabelle 31 betraf nur einen Teil und setzte die Erfahrungen der Nassperiode 2001-2003 um, ohne dass sich vor Ort dadurch die Grundwasserstände materiell verändern konnten. Der GWB-Plan gibt die Grundwasserstände witterungsbedingt in ihrer zulässigen Bandbreite vor und dies in Abwägung unterschiedlichster Anforderungen als staatlicher Kompromiss und ermessenslenkende Verwaltungsvorschrift für die gesamte Landesverwaltung. Die aktive Grundwasserbewirtschaftung der Wasserversorgung füllt diesen Rahmen nur aus. Sie kann und darf nichts anderes bewirken. Schwankungen des Grundwassers ca. +/-1 m um einen Richtwert und in Summe um ca. 2 m sind natürlich durch Witterungseinflüsse unvermeidbar und bei allen Planungen und Bewertungen mit zu berücksichtigen.

  3.  Der GWB-Plan bindet die Wasserversorger über die Wasserrechtsauflagen und das Land Hessen im Rahmen der Verwaltungsverfahren. Er enthält im Wortlaut keinen „Aufspiegelungsauftrag“ auch wenn dies manchmal so interpretiert wird und er verbietet auch keine Zusatzaufspiegelungen. Der GWB-Plan gibt Grundwasserstände vor, Änderungen daran müssen den Zielsetzungen des Plans entsprechen. Dabei sind Änderungen des Plans weder Aufgabe, noch in der Verantwortlichkeit der Wasserversorger oder des WHR. Das gilt auch für die Schaffung neuer Rahmenbedingungen wie Wasserhaltungen.

  4. Wasserversorgung und Wald sind auch im Ried kein Gegensatz. Der Wald im Ried hat in großen Teilen schon seit über 40 Jahren den Grundwasseranschluss verloren (Abb.3 - seit ca. 1971). Er passt sich seither an veränderte Umwelt- und Standortbedingungen durch Veränderung der Baumarten an. Die Machbarkeitsstudie belegt, dass es mit den heutigen Grundwasserständen des Grundwasserbewirtschaftungsplans auch ohne weitere Maßnahmen immer einen, wenn auch trockeneren Wald im Hessischen Ried geben wird. Der Bestand von Wald ist damit ohne zusätzliche Maßnahmen nicht grundsätzlich in Frage gestellt.

  5. Die Zielvorstellung der Machbarkeitsstudie ist jedoch der Erhalt spezieller feuchteliebender Waldbiotope (FFH-Lebensraumtyp Nr. 9160: Eichen-Hainbuchen-Wald) auf ca. 2/3 der Waldflächen im mittleren und südlichen Hessischen Ried und ein Wald, wie er nur unter den Bedingungen von vor 1965 und mit einer speziellen Waldwirtschaft im 18. und 19. Jahrhundert entstehen konnte. Insofern sind die überständigen, geschützten Waldbiotope seit Jahrzehnten Relikte einer ehemaligen Landnutzung in Südhessen, die durch technische Maßnahmen konserviert werden sollen. Dazu ist im Wald eine zusätzliche Aufspiegelung des Grundwassers über den GWB-Plan hinaus um bis zu 2 m erforderlich, mit einer dauerhaften zusätzlichen Waldinfiltration von voraussichtlich über 27,5 Mio. m³/a und gleichzeitig zwecks Vernässungsschutzabsenkung (Siedlungsbereiche, landwirtschaftliche Flächen) außerhalb des Walds mit dem dauerhaften Ableiten von deutlich mehr als 5,5 Mio. m³/a (nur für die Aufspiegelungszentren 9.1-9.3). Für alle Aufspiegelungszentren zusammen könnten geschätzte Wasserhaltungsentnahmen von bis zu 15 Mio. m³/a entstehen, die schadlos abgeleitet werden müssten.

  6. Die Grundwasserstände im Ried (Abb.3, blaue Linie) sind ausweislich der Machbarkeitsstudie nicht seit Jahrzehnten am Sinken, sondern die Absenkung war bis 1976 abgeschlossen. Durch Gewässerausbaumaßnahmen haben schon vor 1965 Grundwasserabsenkungen stattgefunden. Seit 1976 wurden die Grundwasserstände in 2 Stufen ab ca. 1980 bzw. ca. 1995 auf das unter Vernässungsschutz maximal mögliche Niveau um jeweils ca. 1,5 m deutlich angehoben. Die Machbarkeitsstudie will eine zusätzliche Aufspiegelung (hellrote Linien in der Abbildung) um ca. 1,5 m und baut dabei auf den Vorleistungen seit 1980/95 additiv auf. Die klimatischen Schwankungsbreiten werden jeweils durch die Doppelpfeile dargestellt.

Infiltrationsmengen des WHR

Abb. 3: Grundwasserabsenkungen in Phase 2, seit 35 Jahren Grundwasseranstieg im Ried
 Bild größer  
© Hessenwasser 2014
  1. Waldschäden sind nicht nur im Hessischen Ried festzustellen und auch auf Flächen, die niemals Grundwasseranschluss hatten. Der Verlust des Grundwasseranschlusses war vor 43 Jahren abgeschlossen und hatte neben anderen deutschlandweit wirksamen Schadfaktoren zum heutigen Waldzustand mit beigetragen. Ob daher allein durch die Wiederherstellung des Grundwasseranschlusses, der ursprüngliche Waldzustand wiederhergestellt werden kann, könnte erst in einem langjährigen Real-Versuch überprüft werden.

  2. Der Erhalt noch bestehender Teile naturschutzfachlich hochwertiger Waldbiotope ist gemäß Machbarkeitsstudie auch mit Klimawandel prinzipiell möglich. Überwiegend werden aber die alten Bestände wegen des schon erreichten Zustands zunächst absterben und wird der Erhalt vorwiegend über Bestandsneubegründungen zu erreichen sein. Wo, wie und in welchem Umfang entscheidet das Land Hessen ggf. in FFH-Maßnahmenplänen. Inwieweit dazu auch Waldumbau geeignet und erforderlich ist, muss auch vor dem Hintergrund des seit 1987 fortschreitend messbaren Klimawandels untersucht und bewertet werden.

  3. Voraussetzung für eine Umsetzung der Machbarkeitsstudie und auch eine Grundlage des „Runden Tisches“ sind neu zu bauende, ständig zu betreibende und großräumig angelegte Vernässungsschutzmaßnahmen für Siedlungen, landwirtschaftliche Nutzflächen und Infrastruktureinrichtungen. Diese Voraussetzung  besteht derzeit nicht und könnte auch erst mittelfristig geschaffen werden. Die Umsetzung der Machbarkeitsstudie ist daher sowohl im ersten Teil „Vernässungsschutz“ als auch im zweiten Teil „maximierte Grundwasserstände“ ein inhaltlich und zeitlich völlig eigenständiges Projekt unabhängig und außerhalb der Wasserversorgung, mit anderen Zielen, Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten.

  4. Laufende Wasserrechtsverfahren infiltrationsgestützter Wasserwerke sind zeitlich, inhaltlich und juristisch völlig unabhängig von einer Umsetzung der Machbarkeitsstudie. Die Wasserrechte sind nach langen Verfahrensdauern nun tlw. erteilt bzw. müssen zur Sicherstellung der Wasserversorgung in der Region erteilt werden (vergl. WRM-Situationsanalyse). Für eine Umsetzung der Machbarkeitsstudie sind dagegen noch keine Vorplanungen konkretisiert und danach mehrjährige Genehmigungsverfahren erforderlich. Die neuen Wasserrechte verändern nachweislich der schon gemessenen Erfahrungen den Grundwasserstand trotz Mehrförderungen wegen der kompensierenden Infiltration nicht (s. Beitrag vom 20.02.2014).

  5. Die genehmigten bzw. beantragten Mehrförderungen sind über die Verbandsplaninfiltration des WHR kein Gegensatz sondern ein Bestandteil der Machbarkeitsstudie. Spätere zusätzliche Infiltration wird dadurch nicht verhindert. Eine zusätzliche Waldinfiltration ist aber weder Satzungsauftrag des WHR, noch Gegenstand des Verbandsplans und setzt neue Vernässungsschutzeinrichtungen voraus.

  6. Die Finanzierung einer Umsetzung der Machbarkeitsstudie ist das größte ungeklärte Problem. Gemäß Kostenschätzung der Machbarkeitsstudie geht es um etwa 100 Mio. € Investitionskosten und ca. 10 Mio. € in jedem Jahr zu erwartende Betriebskosten. Neben einer Kosten-Nutzen-Analyse beschäftigt sich der Runde Tisch daher auch mit Organisations- und Finanzierungsfragen, weil jede der bestehenden Organisationen die neue Aufgabe nicht hinreichend abdecken kann.

  7.  Dabei ist ein Interessenausgleich der unterschiedlichsten Anforderungen an die Grundwasserstände, die sich in den letzten 50 Jahren entwickelt haben, wesentlich für den Erfolg einer Umsetzung der Machbarkeitsstudie. Somit ist es unverzichtbar, die verschiedenen Gemeinwohlinteressen nicht gegeneinander auszuspielen.

  8. Die Wasserversorgungsunternehmen leisten eine konstruktive Mitarbeit am „Runden Tisch“, um dem Hessischen Landtag einen ausgewogenen Vorschlag zu präsentieren und stellen ihre Fachkompetenz gerne zur Verfügung. Mit der Verbandsplaninfiltration des WHR haben sie die Grundlage für weitere Aufspiegelungen geschaffen und die Machbarkeitsstudie hälftig mitfinanziert.

  9. Nach einer ggf. positiven Empfehlung des runden Tischs an die Landespolitik und einer gesicherten Finanzierung, ist für die Genehmigungsplanung und die Genehmigungsverfahren sowie für die baulichen Umsetzungen aller Maßnahmen und Standorte der Machbarkeitsstudie - aus den Erfahrungen des WHR - mit einer Umsetzungsdauer von ca. 10 bis über 20 Jahren zu rechnen. Weniger sind nur für ein kleinräumiges Pilotprojekt mit geringer Menge denkbar. Eindeutige Wirkungen im Grundwasser sind danach in wenigen Jahren, im Waldhabitat für jedermann sichtbar aber erst in Jahrzehnten zu erwarten.

III.              Schlussfolgerungen

  • Diese eher nüchternen Positionen dürfen nicht als Bedenkenträgerschaft zur Umsetzung der Machbarkeitsstudie missverstanden werden. Sie sind ein Beitrag zur sachbezogenen Diskussion aller wesentlichen Aspekte, welche für eine konsensorientierte und damit nachhaltige, erfolgreiche Umsetzung unerlässlich ist.

  • Die Gewährleistung der regionalen Trinkwasserbeschaffung, die Erhaltung der auf europäischer Ebene geschützten Natura 2000-Gebiete, der Vernässungsschutz sowie die Ziele zur Erhaltung und Entwicklung des Waldes - all diese Bereiche liegen in der Verantwortung des Landes. Als Grundlage für das Funktionieren der Metropolregion Rhein-Main kommt der Wasserversorgung dabei eine herausgehobene Bedeutung zu.

  • Wegen des Inhalts, des Umfanges und der Folgen einer Umsetzung der Machbarkeitsstudie ist eine Verknüpfung mit der öffentlichen Wasserversorgung, dem WHR und deren Wasserrechtsverfahren weder erforderlich, noch sachgerecht und nicht zielführend.

  • Der zu erhaltende Lebensraumtypus im Wald erfordert es unter anderem, das Rad der Zeit im Grundwasser zumindest in Teilbereichen um über 50 Jahre zurückzudrehen. Dazu sind dauerhaft zu betreibende und ungewöhnlich große Maßnahmenbündel und Geldmittel erforderlich. Ähnliche Maßnahmen gibt es bisher nur in viel kleinerem Umfang. Nicht nur wegen des Klimawandels, wäre es ein zunächst auf Jahrzehnte angelegtes Experiment das etwa in 10-20 Jahren begonnen und in 30-50 Jahren auf Erfolg geprüft werden kann.

  • Nachhaltig können die Ziele nur mit einem langfristig politisch tragfähigen Konsens, mit Hilfe von viel Technik, über viele Jahrzehnte hinweg kontinuierlich erreicht werden. Darüber hinaus ist eine kompetente Umsetzung erforderlich. Vorbild könnte ggf. teilweise die Gewässerschutzberatung im Rahmen der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie sein.

  • Die Frage ist letztlich, wo und wie viele Zusatzmaßnahmen dauerhaft für Natura 2000-Gebiete erforderlich sind und welche Alternativen bestehen. Aufgabe der Politik ist es, angemessene und akzeptierte Entscheidungen zu treffen. Diese müssen sachlich fundiert vorbereitet werden. Der „Runde Tisch“ geht daher den richtigen Weg.


Hessenwasser GmbH & Co. KG
Betriebsführung für den Wasserverband Hessisches Ried
Ressourcenmanagement
Volker Manger


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