Hessenwasser Stadtwerke-Mainz Wasserwerk Gerauer Land Wasserverband Hessisches Ried Riedgruppe-Ost Elektrizitätswerk Rheinhessen AG Regierungspräsidium-Darmstadt
::Startseite ::Suchen ::Sitemap :: Login       
Grundwasserstand
Aktuelle Messwerte

° Motivation
° Ziele
° Partner
° Fakten

° Aktuelles
° Niederschlag
° Grundwasserstand
° Messstellen/Kartenserver
° Pegelstände
° Flurabstand

° Naturraum
° Grundwasser
° Technik
° Recht
° Links


° Impressum

Aktuelles: Sommer 2013: Hohes Grundwasser und Grundwasserbewirtschaftung
Geschrieben am 18.09.13  Optionen: Druckversion Artikel versenden

RegenschauerWie hängen die Bewirtschaftungsmaßnahmen zusammen? Die Infiltration wurde stark gedrosselt. Schonbetrieb im Vogelsberg erfordert Mehrentnahmen im Ried. Warum bleiben die Mehrentnahmen ohne Absenkungen? Wie hoch ist die Vernässungsgefahr im Winter?



Aufgrund verstärkter natürlicher Grundwasserneubildung sind sehr hohe Grundwasserstände erreicht (vgl. Beitrag Juni 2013: Die Natur zeigt Ihre Macht über das Grundwasser). Am geringsten war der Grundwasseranstieg in den von der Infiltration beeinflussten Gebieten. Hier wird der Grundwasserbewirtschaftungsplan wegen der im selben Raum bestehenden Entnahmen durch Verringerung der Infiltrationsmenge durch den WHR eingehalten.  Durch verringerte Infiltration wird der Grundwasseranstieg gedämpft In Trockenperioden wird umgekehrt der Infiltrationseinfluss zeitweise gestärkt.

Diese Wirkung wird in einer flächenhaften Auswertung des „Ausnahmezeitraums“ zwischen April und Juni bestätigt: Der Grundwasseranstieg war am stärksten im sogenannten Neckarried östlich des Gernsheimer und Jägersburger Walds (+0,5 bis 1,25 m) sowie westlich davon in einem 1-2 km breiten Streifen entlang des Rheins (bis +1,5 m). In den von Entnahme und Infiltration beeinflussten Waldgebieten führte die verringerte Infiltration zwischen April und Juni 2013 dagegen nur zu einem Anstieg von 0,25 bis maximal 0,5 m.13.

Das gleiche Ergebnis zeigt ein Vergleich der Grundwasserstände vom Juni 2013 mit denen vom Oktober 2012 in Abbildung 1. Die hellblauen Töne zeigen im beeinflussbaren Gernsheimer und Jägersburger Wald in dieser Zeit nur einen Anstieg von 0,25 bis 0,75 m. Westlich und östlich davon, wo die natürlichen Einflüsse überwiegen, ist der Anstieg mit 0,75 bis 1,5 m etwa doppelt so hoch, wie es die dunkelblauen Farbtöne anzeigen. Entlang der Weschnitz ist deren verstärkender Einfluss auf den Grundwasseranstieg gut erkennbar.

Damit wird deutlich, dass die starke Variation der natürlichen Grundwasserneubildung – sei es ihr Ausbleiben in Trockenphasen oder Ihre Vervielfachung in Nassphasen gegenüber dem langjährigen Mittelwert – die stärkste Einflussgröße auf die Dynamik der Grundwasserstände bildet. Der menschliche Einfluss kann dies nur abmildern, allerdings nur dort, wo er über Entnahme und Infiltration wirksam ist. Im mittleren Ried beträgt daher die Schwankungsbreite +/- 1 m um die Richtwerte.

Wegen der weiterhin hohen Grundwasserstände sind bei normalem Witterungsverlauf bis zum Jahresende infolge der zusätzlichen winterlichen Grundwasserneubildung, erhöhte natürliche Vernässungsgefahren möglich. Die Grundwasserstände könnten dann ggf. wieder bis an den oberen Rand der Schwankungsbreite des Grundwasserbewirtschaftungsplans ansteigen können, wie zuletzt 2001/03.

Infiltrationsmengen des WHR

Abb. 1: Grundwasserdifferenzenplan Juni 2013 gegenüber Oktober 2012  Bild größer  © Hessenwasser 2013
Im Juni wurden Grundwasserstandsspitzen erreicht und damit die geringsten Grundwasserflurabstände seit 2003 bzw. 2011. Abbildung 2 zeigt den Grundwasserflurabstandsplan für Juni 2013. Dargestellt ist der Abstand zwischen der Grundwasseroberfläche und der Geländeoberfläche. Die dunkelgrünen und blauen Farbtöne zeigen geringe Grundwasserflurabstände von ca. 0,5 bis 3,5 m an, die hellgrünen bis gelben Farbtöne mittlere Flurabstände von 3,5 bis 5 m und rötliche bis braune Töne hohe Abstände von 5 bis über 20 m an.

Deutlich wird, dass für die Verteilung der Flurabstände und Vernässungsgefahren die natürlichen Geländehöhen entscheidend sind.  Die geringsten Flurabstände und damit die vernässungsgefährdeten Gebiete finden sich in den Tieflagen wie den Altneckarläufen und entlang des Rheins. Mittlere Flurabstände dominieren auf den Flugsanddecken der Riedwälder und die hohen Flurabstände auf den mächtigen Löß-/Flugsanddecken am Odenwaldrand. In den Riedwäldern bestehen derzeit verbreitet Flurabstände von 2,0 bis 3,5 m.

Die Vernässungsgefahren für die in Senken liegenden Ortsteile und landwirtschaftliche Nutzflächen sind daher natürlich bedingt und nicht von der Infiltration (vgl. Beitrag Vernässungsdiskussion im Hessischen Ried: Fragen und Antworten). Die Infiltration des WHR wird gemäß Betriebsreglement über Abschaltwerte so ausgesteuert, dass die natürlichen Schwankungsbreiten der Grundwasserstände und die Vernässungsgefahren nicht größer und die Vorgaben des Bewirtschaftungsplans eingehalten werden.

Die Infiltration des WHR wird zeitnah nach Grundwasserständen gesteuert  (vgl. Beitrage Vernässungsdiskussion im Hessischen Ried: Wie wird die Infiltration gesteuert), womit automatisch auch die Fördermengenveränderungen der benachbarten Wasserwerke mit berücksichtigt werden. Dies zeigt Abbildung 3 am Beispiel des WW Eschollbrücken. Erkennbar variieren die Infiltrationsmengen (grüne Säulen) erheblich und dies in Abhängigkeit von Veränderungen des gemessenen Grundwasserstands (blaue Perlenschnur). Dieser wird meist nahe um die mittleren Richtwerte gehalten, obwohl seit 2012 (wie schon bis 1998) erhebliche Mehrförderungen (dunkelblaue obere Linie) erfolgen. Die maximale Bandbreite der Grundwasserstände (hellblauer Korridor) wird durch die unterschiedliche natürliche Grundwasserneubildung zwischen Nass- bzw. Trockenperioden bestimmt. Als Mehrförderung bezeichnet man höhere Entnahmen, als sie um 1999 auf Basis alter Wasserrechte genehmigt waren. Gemäß Grundwasserbewirtschaftungsplan (1999) und neuen Wasserrechtsbescheiden müssen diese Mehrentnahmen über entsprechend erhöhte Infiltration neutral für die Grundwasserstände erfolgen. Daher sind von den Mehrförderungen im Einflussbereich der Infiltration keine Absenkungen der Grundwasserstände möglich. Die Infiltration stellt stets die Vorgaben des Bewirtschaftungsplans ein.


Grundwasserstände bei Allmendfeld

Abb. 2: Grundwasserflurabstand im Juni 2013
Bild größer  
© Hessenwasser  2013

Die massive Steuerung der Infiltration zur Grundwasserbewirtschaftung auch in den anderen Bereichen wird im Mengenvergleich zwischen April und Juni 2013 deutlich:

Infiltrationssteuerung
Menge in m³ pro Monat
Infiltration im
April 2013
Infiltration im
Juni 2013
Eschollbrücken / Pfungstadt 373.000 330.000
Gernsheimer Wald (Allmendfeld) 832.000 326.000
Jägersburger Wald (Jägersburg-Nord)  549.000 374.000

Mit dem Grundwasseranstieg ab Ende Mai wurden im Gernsheimer und Jägersburger Wald die Infiltrationsmengen in etwa halbiert. Die Verringerung fiel in Eschollbrücken / Pfungstadt geringer aus, weil die in Steigerung befindliche Mehrförderung im Wasserwerk Eschollbrücken grundwasserstandsneutral kompensiert wird. Im Gernsheimer und Jägersburger Wald bestehen die Mehrförderungen seit vielen Jahren. Seither wird hier - wie bei Eschollbrücken schon von 1990-1998 - langjährig in der Praxis gemessen und nachgewiesen, dass infiltrationsgestützte Mehrförderungen wegen der angepassten Infiltration ohne Veränderung der Grundwasserstände erfolgen.

Anders als im Hessischen Ried verläuft die Entwicklung der Grundwasserstände nördlich des Mains und im Bereich des Vogelsbergs. Dort führen seit 2011 wegen geringer Grundwasserneubildung relativ tiefe Grundwasserstände zu ökologisch bedingten Einschränkungen in der Wassergewinnung für die Rhein-Main-Region. Nur mit einer ausgleichenden Entnahmeerhöhung im Hessischen Ried konnte die Förderverringerung im Vogelsberg ermöglicht werden, ohne die Wasserversorgung der Metropolregion Rhein-Main zu beeinträchtigen (vgl. Beitrag  Infiltration im Ried hilft indirekt Feuchtgebieten im Vogelsberg). Durch eine entsprechend erhöhte Infiltration blieben die erhöhten Entnahmemengen im Ried ohne Einfluss auf die Grundwasserstände.


Infiltrationsmengen des WHR

Abb. 3: Grundwasserstandsabhängige Infiltrationssteuerung und Mehrförderung im Bereich des Wasserwerkes Eschollbrücken
 Bild größer  
© Hessenwasser 2013
Mit der verringerten Entnahme im Vogelsberg konnten dort die Grundwasserstände leicht angehoben werden. Auch nach der aktuellen Grundwasserneubildungsphase werden nördlich des Mains weiterhin zumeist unterdurchschnittliche bis maximal durchschnittliche natürliche Grundwasserstände gemessen.

Informationen über die Grundwasserstandsentwicklung im Ried sind über den Menüpunkt Kartenserver verfügbar. Weitere Messwerte für Hessen sind auf der Homepage des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie unter www.hlug.de abrufbar.


Hessenwasser GmbH & Co. KG
Betriebsführung für den Wasserverband Hessisches Ried
Ressourcenmanagement
Volker Manger

 

 

ein kostenloser Informationsdienst von :
EWR Hessenwasser Riedgruppe-Ost Regierungspräsidium Darmstadt Wasserwerk Gerauer Land Stadtwerke Mainz AGWasserverband Hessisches Ried

Alle Logos und Markenzeichen auf dieser Seite unterliegen dem Copyright der jeweiligen Besitzer. Alle anderen Artikel und Beiträge unterliegen dem Copyright © 2002-2006 von Grundwasser-Online. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stehen im Verantwortungsbereich des jeweiligen Verfassers.