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Aktuelles: Infiltration im Ried hilft indirekt Feuchtgebieten im Vogelsberg
Geschrieben am 28.03.13  Optionen: Druckversion Artikel versenden

FeuchtgebietTrotz nassem Sommer war das hydrologische Jahr 2012 zu trocken. Die Infiltration des WHR hielt die Grundwasserstände im Ried stabil und schonte indirekt auch die Grundwasserstände im Vogelsberg.


Seit November 2012 läuft das hydrologische Jahr 2013. Zeit für eine Bilanz des Vorjahres. Die Witterung 2012 war wechselhaft: Besonders trocken waren der November 2011 sowie Februar und März 2012. Besonders nass waren der Dezember 2011 sowie Juni und Juli 2012. Das Sommerhalbjahr war zu feucht. Es trägt zumeist aber kaum zur Grundwasserneubildung bei (hohe Verdunstung etc.). Daher führte insbesondere das um ca. 15% zu trockene Winterhalbjahr 2011/12 zu einer unterdurchschnittlichen Grundwasserneubildung und damit 2012 verbreitet in Hessen zu natürlich sinkenden Grundwasserständen unter die langjährigen Mittelwerte. Im Hessischen Ried wurde dies durch die Infiltration des WHR kompensiert. Dies führte nur in ihrem Einflussbereich zu stabilen Grundwasserständen nahe den mittleren Richtgrundwasserständen.

Tiefe Grundwasserstände im Vogelsberg schränken dortige Wassergewinnung ein 
Anders verlief die Entwicklung um die Wasserwerke des nordwestlichen Vogelsbergs. Dort führten relativ tiefe Grundwasserstände zu ökologisch bedingten Einschränkungen in der Wassergewinnung für die Rhein-Main-Region. Nur mit einer ausgleichenden Entnahmeerhöhung im Hessischen Ried konnte die Förderverringerung im Vogelsberg ermöglicht werden, ohne die Wasserversorgung der gesamten Metropolregion Rhein-Main zu beeinträchtigen. Durch eine entsprechend erhöhte Infiltration blieben die erhöhten Entnahmemengen im Ried ohne Einfluss auf die Grundwasserstände. Mehrentnahmen und Mehrinfiltrationen sind als versorgungsstrukturelle Besonderheit im Ried ökologisch neutral miteinander gekoppelt. Mehrinfiltrationen ohne Mehrentnahmen sind wegen der Vernässungsgefahren dagegen nicht möglich. Mehrinfiltration und Mehrentnahme im Ried führen so indirekt zu einer Stabilisierung der Grundwasserstände und damit einem ökologischen Nutzen im Vogelsberg.

Sind Sie überrascht? Lassen Sie uns das einmal genauer betrachten:

Abbildung 1 zeigt als blaue Perlenschnur die natürliche Grundwasserstandsentwicklung im mittleren Ried bei mittleren Grundwasserflurabständen. Hier ist seit dem Hochstand Anfang 2011 ein Rückgang der Grundwasserstände erkennbar, der aufgrund der 2012 verringerten natürlichen Grundwasserneubildung bis zum Jahresende 2012 anhält und das Niveau des Jahres 1985 erreicht. Die mittige orangefarbene Linie markiert das langjährige Mittel der Grundwasserstände und der Niederschläge. Die hellblauen (Winterhalbjahr) und hellroten Säulen (Sommerhalbjahr) zeigen die die Niederschlagsabweichung des jeweiligen Halbjahrs vom langjährigen Mittelwert. Zeigt die Säule von der Mittellinie nach oben, so war das Halbjahr zu nass, zeigt die Säule nach unten, war es zu trocken. Die letzte Säule zeigt das zu feuchte Sommerhalbjahr 2012.


Infiltrationsmengen des WHR

Abb. 1: Naturliche Grundwasserstandentwicklung im mittleren Hessischen Ried Bild größer  © Hessenwasser 2013

Wie früher schon erläutert, entwickeln sich die Grundwasserstände langsamer und ausgeglichener als die Witterung. Im heutigen Grundwasserstand spiegelt sich die Witterung vieler Vormonate bis Vorjahre. Für deren weitere Entwicklung ist ebenso ausschlaggebend, ob die aktuelle Witterung auf einen trockenen oder feuchten Boden trifft und weiter auf hohe oder tiefe Grundwasserstände aufbaut. Sie wirkt sich dadurch unterschiedlich stark auf die weitere Entwicklung aus. Lokale Abweichungen in der zeitlichen Entwicklung der Grundwasserstände resultieren zudem aus den örtlich recht unterschiedlichen Grundwasserflurabständen.

Zum Jahresende 2012 wurden im Ried natürliche Grundwasserstände gemessen, die etwa den langjährigen Mittelwerten entsprechen, die in den von Entnahmen und Infiltrationen unbeeinflussten Gebieten auch den Richtwert und etwa das Niveau von 1985 markieren.

Erhöhte Indfiltrationsmengen zum Ausgleich der geringen Grundwasserneubildung und der Mehrentnahmen
Anders verhält es sich in den von Infiltrationen und Entnahmen beeinflussten mittleren Hessischen Ried. Hier liegen die Richtwerte (Zielgrundwasserstände) deutlich über den langjährig mittleren Grundwasserständen, um eine dauerhafte Anhebung des Grundwasserstands etwa auf Höhe der früheren Hochstände von 1981-83 zu bewirken. Beispielhalt für diese Gebiete steht hier in Abbildung 2 eine Messstelle aus dem Bereich Allmendfeld / Gernsheimer Wald. Die Grundwasserstände bleiben hier 2012 bis zum Jahresende wegen der an die Grundwasserstandsentwicklung angepassten Infiltrationsmengen stabil auf diesem erhöhten Niveau der Richtwerte, obwohl die Grundwasserneubildung verringert und zugleich die Entnahme erhöht war.

Um dies zu erreichen wurde 2012 die Infiltrationsmenge des WHR gesteigert. Sie lag mit ca. 15,2 Mio. m³ erheblich über den ca. 9,5 Mio. m³ aus 2011 und auch deutlich über dem Mittelwert seit Inkrafttreten des Grundwasserbewirtschaftungsplans (1999-2011: 11,5 Mio. m³).

Mit den seit ca. 2006 teilweise schon bestehenden und künftig weiter anwachsenden Mehrförderungen sowie der erforderlichen Zusatzinfiltration in Trockenperioden, kann die Infiltration schon kurzfristig erheblich höhere Mengen erreichen, als im bisherigen Spitzenjahr 2004 mit ca. 22 Mio. m³. Gemäß Verbandsplan sind Mengen von bis zu 38 Mio. m³/a dafür verbands- und wasserrechtlich gebunden. Sollte in Kürze eine Nassperiode folgen kann die Infiltration aber ebenso rasch vorübergehend auch ganz eingestellt werden, wie schon zwischen 2001 und 2003.

Grundwasserstände bei Allmendfeld

Abb. 2: Entwicklung der Grundwasserstände bei Allmendfeld
Bild größer  
© Hessenwasser  2012



Wasserwirtschaftliche Situation
Zu Beginn des Winters 2012/13 wurden im Ried etwa mittlere Grundwasserstände gemessen, nur südlich der Weschnitz höhere Grundwasserstände. Weitere Informationen über die Grundwasserstandsentwicklung im Ried sind über den Menüpunkt Kartenserver verfügbar.

Die Infiltrationen im Hessischen Ried sowie im Frankfurter Stadtwald sind umso bedeutender, als nördlich des Mains in Hessen aufgrund der trockenen Jahre 2011 und 2012 bereits überwiegend deutlich unterdurchschnittliche Grundwasserstände gemessen wurden. Informationen zu diesen Gebieten sind auf der Homepage des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie unter www.hlug.de abrufbar.

Die teilweise tiefen Grundwasserstände im Vogelsberg konnten durch Förderverringerung dort stabilisiert werden, weil im Ried zum Ausgleich um einige Millionen m³/a höhere Entnahmen durch entsprechend höhere Infiltrationen ohne Grundwasserstandsabsenkungen weiterhin auf dem Niveau des Grundwasserbewirtschaftungsplans Hessisches Ried möglich sind. Die Wasserwerke der Hessenwasser und die Infiltration des WHR leisten damit über den Leitungsverbund auch ökologische Vorhaltungsleistungen für den gesamten Wirtschaftsraum Südhessen. Die Infiltrationsmengen sind dabei hochgradig variabel und die Fördermengen der einzelnen Werke schwankend. Mit der variablen Infiltration des WHR wird der bereits 2012 die Natur schonende Ausgleichsbetrieb im Leitungsverbund Rhein-Main auch 2013 fortgesetzt werden.

Grundwaserentnahmen im Ried tragen zur Sicherung ökologisch sensibler Gebiete im Vogelsberg bei
Zur Stabilisierung der Grundwasserstände im Vogelsberg war dafür 2012 das neue Wasserrecht für das WW Eschollbrücken ein unverzichtbarer Baustein. Für die kommenden Jahre gilt das Gleiche für die anderen laufenden Wasserrechtsverfahren im Hessischen Ried, die zeitnah erforderlich sind und nach langer Verfahrensdauer und einem Urteil des Verwaltungsgerichts Darmstadt keinen weiteren Aufschub mehr erlauben, um die nachhaltige Wasserversorgung im Wirtschaftsraum Südhessen zu komplettieren und zukunftssicher zu machen.

Dabei besteht kein Zielkonflikt zum Auftrag des „Runden Tischs zur Verbesserung der Grundwassersituation der Wälder im Hessischen Ried“ (http://www.rundertisch-hessischesried.de). Im Aufspiegelungskonzept werden dauerhafte und erhebliche, zusätzliche Grundwasserstandsaufspiegelungen vorgeschlagen, die z.B. im Gernsheimer Wald sowie in den angrenzenden Gebieten etwa noch einmal den gleichen Umfang (ca. 1-1,5 m) betragen, wie sie schon zwischen 1985 und 1999 zur Erreichung der Ziele des Grundwasserbewirtschaftungsplans umgesetzt wurden. Diese Grundwasserstandsaufspiegelungen können jedoch von den aktuellen Wasserrechtsverfahren völlig unbeeinträchtigt erfolgen. Sie setzen örtlich zusätzlich auf die Grundwasserstände des Grundwasserbewirtschaftungsplans auf, die unabhängig von neuen Wasserrechten stets erfüllt werden. Allerdings setzt eine Umsetzung der zusätzlichen Waldinfiltration zuvor auch den Bau wirksamer Einrichtungen zum Vernässungsschutz für Siedlungen, landwirtschaftliche Nutzflächen und Infrastruktur sowie einen Ausbau des Wasserwerks Biebesheim und die Klärung vielschichtiger rechtlicher, technischer  und finanzieller Fragen voraus. Dies alles kann nach den Erfahrungen des WHR jedoch kaum in wenigen Jahren erreicht werden, sondern eher mittel- bis langfristig.

Der in den Wasserrechtsverfahren modellierte Nachweis grundwasserstandsneutraler Mehrentnahmen durch entsprechende Mehrinfiltration war auch 2012 im Umfeld aller infiltrationsgestützten Wasserwerke weiterhin messbar und ist daher mittlerweile in der Praxis belegt. Mehrinfiltrationen ohne Mehrentnahmen sind aufgrund der Vernässungsgefahren für an den Wald angrenzenden Ortslagen und landwirtschaftliche Nutzflächen jedoch nicht möglich.

Während die Infiltration in Ihrem Einflussbereich trotz erhöhter Förderung, heute und auch zukünftig so hohe Grundwasserstände wie in der Nassperiode 1981/83 ermöglicht, befinden sich die natürlichen Grundwasserstände im Ried heute in den nicht von Entnahme und Infiltration beeinflussbaren Gebieten um ca. 1 m tiefer, etwa auf dem Niveau des Jahres 1985. Nördlich des Mains werden dagegen teilweise noch tiefere Grundwasserstände gemessen.


Hessenwasser GmbH & Co. KG
Betriebsführung für den Wasserverband Hessisches Ried
Ressourcenmanagement
Volker Manger




© Startbild: scane / photocase.com


 

 

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