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Aktuelles: Vernässungsdiskussion im Hessischen Ried: Fragen und Antworten
Geschrieben am 04.05.11  Optionen: Druckversion Artikel versenden

Fragen und AntwortenDie hohen Grundwasserstände im Frühjahr 2011 führten erneut zu einer Diskussion über die Ursachen der Vernässung von Kellern und Ackerflächen, wie zuletzt in den Jahren 2001-2003. Der Rückblick auf die damalige Situation hilft zum Verständnis der aktuellen Gegebenheiten. Es wird deutlich, dass aus fachlicher Sicht  die Infiltration nur einer von vielen Diskussionspunkten ist.



1. Was sind die Ursachen hoher Grundwasserstände?
Das Hessische Ried war vor den Eingriffen des Menschen zur systematischen Entwässerung größtenteils ein dünn besiedeltes Feucht- und Sumpfgebiet. In weiten Teilen wurde es durch Flüsse und Bäche sowie den Rhein regelmäßig überflutet. Hohe Grundwasserstände sind daher im überwiegenden Teil des Hessischen Rieds der natürliche und ursprüngliche Zustand. Auch unbeeinflusst vom Menschen schwanken die Grundwasserstände erheblich. Schwankungsbreiten von ca. 2 Metern sind verbreitet anzutreffen.

Die in der heutigen Zeit als hoch bezeichneten Grundwasserstände sind im Vergleich zu den natürlichen Grundwasserständen gar nicht so hoch. Vielfach sind immer noch durch den Menschen örtlich mehr und weniger stark abgesenkte Grundwasserstände (Grundwasserentnahmen, Fließgewässerbegradigungen, landwirtschaftliche Entwässerungsgräben etc.) vorhanden.

Die seit ca. 1995 gemessenen Grundwasserstände werden zeitweise deshalb als hoch eingestuft, weil sie zuvor in der Zeit zwischen 1970 und 1990/95 vor allem im Umfeld der großen Wasserwerke der Öffentlichen Wasserversorgung, der Industrie und der Landwirtschaft aufgrund des damals höheren Bedarfs stärker abgesenkt wurden, als es heute der Fall ist.
Die heute gemessenen Grundwasserstände haben somit im Wesentlichen drei Ursachen, wie es in Abbildung 1 anhand der Entwicklung über die Jahrzehnte erkennbar ist:

Ursache 1: Das natürliche Grundwasserstandsniveau liegt meist höher als das heute vorhandene. Ohne die verbreitet heute noch bestehenden Restabsenkungen würde sich von alleine ein natürlicher Grundwasseranstieg einstellen (vgl. auch BWK-Merkblatt zur Ermittlung des so genannten Bemessungsgrundwasserstandes für Bauwerksabdichtungen).

Ursache 2
: Durch den Grundwasserbewirtschaftungsplan werden heute höhere mittlere Grundwasserstände vorgegeben, als sie zwischen 1970 und 1995 gemessen wurden. Erreicht wurde dies über natürliche Einflüsse,  geringere Entnahmen oder Infiltration. Ziel war es, die negativen Auswirkungen der tiefen Grundwasserstände von 1970-1995 zu vermeiden. Auf den Richtwert mittlerer Grundwasserstände setzt die natürliche Schwankungsbreite auf. Als Folge führt eine gleiche Niederschlagsmenge heute zu höheren Grundwasserständen, als in den 1970er Jahren. Damit treten Hochstände heute wieder häufiger auf.

Ursache 3
: Natürliche Schwankungen durch periodisch erhöhte Niederschläge bewirken, dass sich die Grundwasserstände derzeit über den mittleren Richtwerten befinden. Und das, abhängig von den örtlichen Einflüssen, mehr oder weniger so hoch wie zwischen 2001 und 2003.


Grundwasserwasserstandsentwicklung seit 1951

Abbildung 1: Grundwasserstandsentwicklung seit 1951  Bild größer
© Hessenwasser 2011

2.    Warum kommt es überhaupt zu Problemen mit den Grundwasserständen?
Probleme entstehen heute deshalb, weil sich zwischen 1970 und 1995 Landnutzungen entwickelt haben, die auf die damals tiefen Grundwasserstände ausgerichtet waren. Sie sind aber nicht an die höchsten natürlichen (Bemessungs-) Grundwasserstände und auch nicht an die Grundwasserstände aus der Zeit vor 1970 angepasst. So wurden z. B. Gebiete bebaut oder in Ackerland umgewandelt, die zuvor als Feuchtgebiete immer gemieden worden waren oder als Feuchtwiesen nur einmal im Jahr gemäht werden konnten. Gleichzeitig wurde teilweise versäumt, Sicherheitsvorkehrungen gegen wieder ansteigende Grundwasserstände zu treffen. Gründe waren z.B. die Vermeidung der damit verbundenen hohen Kosten, teilweise auch eine Unkenntnis der örtlichen Verhältnisse. Unabhängig von den Aspekten der Bauleitplanung liegt, hinsichtlich der Vermeidung von grundwasserbedingten Gebäudevernässungen, die Verantwortung beim Bauherrn und Eigentümer des Gebäudes. Dazu gehört es, das Gebäude gegen den höchsten natürlichen Grundwasserstand (Bemessungsgrundwasserstand) abzudichten, der ggf. durch einen Sachverständigen zu erkunden ist.

Auch in den Außenbereichen sind die heutigen Grundwasserstände für die aktuellen Landnutzungsformen zeitweise schon zu hoch, während sie für frühere naturnahe Flächen (z.B. Feuchtwiesen) i.d.R. noch zu tief sind. Dadurch entstehen Landnutzungskonflikte: Je nach Interessengruppe werden auf engstem Raum benachbart völlig unterschiedliche Grundwasserstände oder ein Ende der Schwankungen gefordert. Diese Forderungen stehen in unvereinbaren Widersprüchen zueinander. Die natürlich bedingten Schwankungen können nicht abgestellt werden.

3.    Welche Rolle spielt der Grundwasserbewirtschaftungsplan?
Der im April 1999 in Kraft getretene Grundwasserbewirtschaftungsplan Hessisches Ried enthält eine staatliche Abwägung bestehender widerstreitender Landnutzungsinteressen mit jeweils unterschiedlichen Ansprüchen an ein „optimales“ Grundwasserstandsniveau. Insbesondere sollen Setzrissschäden vermieden werden, die in der Vergangenheit immer wieder in Trockenperioden und in Phasen extrem niedriger Grundwasserstände an Hunderten von Häusern aufgetreten sind. Die im Grundwasserbewirtschaftungsplan enthaltenen Grundwasserstandsvorgaben entsprechen in den kaum vom Menschen beeinflussten Gebieten den natürlichen örtlichen Einflüssen. In den stärker beeinflussten und damit auch beeinflussbaren Gebieten wurde zwischen Problemen mit zu tiefen bzw. zu hohen Grundwasserständen ein Mittelweg gesucht, der vorrangig die Schäden durch zu tiefe Wasserstände vermeidet. Daher erforderten die Grundwasserstandsziele des Bewirtschaftungsplans mehr oder minder starke Verringerungen früherer Absenkungen, sogenannte Aufspiegelungen. Auf nicht weiter auflösbare Landnutzungskonflikte wird im Plan hingewiesen.

Aufspiegelung“ – egal ob durch Förderverringerungen oder durch Infiltration – bedeutet damit nicht das Erzeugen von „unnatürlichen Grundwasserbergen“, die in die Umgebung abfließen könnten, sondern die Teilauffüllung der „Grundwassersenken“, die dadurch heute weniger tief und weniger groß sind als in der Zeit zwischen 1970-1990/95.


Grundwasserbewirtschaftungsplan

Abbildung 2: Grundwasserbewirtschaftungsplan
Der Grundwasserbewirtschaftungsplan ist eine sogenannte ermessenslenkende Verwaltungsvorschrift bzw. ein staatlicher Rahmenplan im Sinne der EU-Wasserrahmenrichtlinie.
Er hat damit zunächst keine direkten Folgen für Dritte und er löst auch keine einklagbaren Ansprüche zur Herstellung irgendwelcher Grundwasserstände aus. Er wirkt nur dann, wenn Vorhaben geplant werden, die auf den Grundwasserstand einwirken. Diese Vorhaben bedürfen einer staatlichen Genehmigung, eines sogenannten Wasserrechts. Bei der Genehmigung hat die Wasserbehörde im Rahmen Ihres Bewirtschaftungsermessens zu entscheiden. Dieses wird durch den Bewirtschaftungsplan eingeschränkt, indem jedes genehmigte Vorhaben mit den Grundwasserstandszielen des Plans vereinbar sein muss. Der Plan wirkt so indirekt auf Vorhaben Dritter ein, verpflichtet das Land Hessen oder andere Stellen selbst aber zu keinen aktiven Handlungen. Wasser- und Naturschutzgesetze schreiben zudem vor, die Auswirkungen von Vorhaben auf das Grundwasser so gering wie möglich und im Rahmen des sogenannten „guten Zustands“ zu halten, der u. a. mit dem  Bewirtschaftungsplan konkretisiert ist.

Hinsichtlich der Vermeidung von Vernässungsschäden ist der Bewirtschaftungsplan daher insofern nicht relevant, als er keine Grundwasserstände vorschreibt, die höher sind als die natürlichen Grundwasserstände (Bemessungsgrundwasserstände). Die Bedeutung des Bewirtschaftungsplans besteht in der Vermeidung zu tiefer Grundwasserstände, in der damit erfolgten verbindlichen Abwägung zwischen den Landnutzungskonflikten und in der Vorgabe eines verbindlichen Zielniveaus, das auch Vernässungen soweit als möglich zu vermeiden hilft, indem es lediglich begrenzte Aufspiegelungen fordert und zulässt.

4.    Welche Rolle spielt die Infiltration?
Die Infiltration des WHR ist für Vernässungen nicht relevant. Erkennbar gilt dies für die Vielzahl von Vernässungen außerhalb jedes Infiltrationseinflusses und aus der Zeit vor der Infiltration (1981/83). Gleiches gilt aber auch innerhalb ihres Einflussbereichs, denn sie hat den Zweck, dort die Vorgaben des Grundwasserbewirtschaftungsplans durch gesteuerte Grundwasseranreicherung einzustellen, ohne dazu die Entnahmen reduzieren zu müssen. Insbesondere in Trockenperioden verhindert dabei eine verstärkte Infiltration ein Unterschreiten der unteren Grenzgrundwasserstände. In Nassperioden verhindert das rechtzeitige Abschalten der Infiltration einen stärkeren Anstieg der Grundwasserstände, als es die natürliche Grundwasserneubildung bewirkt. Infiltrationsbedingte Vernässungen sind daher ausgeschlossen. Im Kernbereich der ursprünglichen Absenkungen werden diese Absenkungen verringert, aber keine höheren Grundwasserstände erreicht als vor 1970, sondern der Bewirtschaftungsplan erfüllt. Grundwasseranreicherung ist in Bezug auf die Entwicklung der Grundwasserstände zudem in der Menge die kleinste Einflussgröße weit nach der natürlichen Grundwasserneubildung und nach den Entnahmen. Zudem ist sie in der Reichweite der Auswirkungen begrenzt. Veränderungen an der Infiltration bzw. dem Betriebsreglement sind ohne Auswirkung auf die Vernässungsproblematik, solange sie sich im Rahmen des Bewirtschaftungsplans bewegen. Erhebliche Veränderungen würden eine Änderung des Bewirtschaftungsplans und eine erneute Abwägung zu den sich ggf. noch verschärfenden Landnutzungskonflikten voraus setzen.

5.    Welche Rolle spielen die Grundwasserentnahmen?
Grundwasserentnahmen sind für Vernässungsproblematiken nicht relevant, denn sie können nur im Rahmen der Grundwasserstände des Bewirtschaftungsplans erfolgen und auch nur soweit, als ein nachgewiesener Bedarf und ein Wasserrecht bestehen. Verringerte Grundwasserentnahmen waren zur Erfüllung des Grundwasserbewirtschaftungsplans dort erforderlich, wo keine Infiltration möglich ist. Das Wasserrecht begründet aber keine Entnahmepflicht und enthält stets eine Zweckbindung. So sind Entnahmen für die landwirtschaftliche Beregnung, die industrielle Brauchwasserversorgung und die öffentliche Wasserversorgung zu unterscheiden. Temporäre Maßnahmen zur Begrenzung des Grundwasseranstiegs in Nassperioden (Wasserhaltungen) sind ein grundsätzlich davon zu unterscheidender Ausnahmefall (Beispiel Pfungstadt-Hahn).


Stabile Grundwasserstände druch die Schutzbrunnen
Abbildung 3: Wasserwerk mit Brunnenschacht vor der Filterhalle  Bild größer
© Hessenwaser 2011

Landwirtschaftliche Entnahmen
erfolgen nur saisonal während der Wachstumszeit. Absenkungen entstehen periodisch im Sommerhalbjahr, das Abschalten im Winter verstärkt den Wiederanstieg des Grundwasserstands im Winterhalbjahr. Gerade in Nassjahren besteht geringer Beregnungsbedarf. Ein Entlastungseffekt für Vernässungen resultiert daher kaum.

Entnahmen für die öffentliche und gewerbliche Wasserversorgung erfolgen ganzjährig bei relativ geringen Schwankungen. Derzeit besteht aber ein leicht abnehmender Trend aufgrund verringerten Verbrauchs. Da nicht mehr als benötigt entnommen werden kann und darf sowie dies auch nicht zu einem anderen, als dem genehmigten Zweck, kann auch kein entlastender Effekt für Vernässungen erreicht werden. Gezielte Absenkungen aus einer stark erhöhten Förderung wären schon wegen der Grundwasserstandsvorgaben des Bewirtschaftungsplans nicht möglich, weil sie zu tiefe Grundwasserstände erzeugen würden. Da die Brunnen meist weitab der Siedlungen liegen, würden solche Absenkungen auch erst Jahre später „ankommen“, wenn wieder trockene Jahre eher das Gegenteil erfordern würden, um Setzrisse an der Bebauung zu vermeiden.

6.    Was bewirken lokale Maßnahmen zur Begrenzung des Grundwasseranstiegs?
Gegen Vernässungen können allein lokale Maßnahmen am Ort des Problems helfen. Fördermengen und die damit verbundenen Eingriffe in den Wasser- und Naturhaushalt werden so minimiert und eine Genehmigungsmöglichkeit eröffnet, die allerdings nur unter Beachtung des Rahmens des Bewirtschaftungsplans möglich ist. Voraussetzung für eine Genehmigung ist stets ein Maßnahmen- und Kostenträger, der den Antrag stellt, alles umsetzt und danach betreibt. Er kann nur auf freiwilliger Basis gefunden werden. Bei den bisher realisierten Projekten gab in der Regel die Kommune den Anstoß.

Seit 2003 wurden im Hessischen Ried mehrere Anlagen gebaut, die den Grundwasseranstieg in Nassperioden in Siedlungsgebieten begrenzen und diese so vor Kellervernässungen schützen. Aber auch Wasserhaltungen haben Vor- und Nachteile und Grenzen. Zum Einen ist zu klären, ob Aufwand, Nutzen und Nebenwirkungen einer solchen Maßnahme in einem akzeptablen Verhältnis zueinander stehen. Bei allen realisierten Anlagen war daher auch die Frage nach Menge und Verwendung bzw. schadloser Ableitung des abgepumpten Wassers zu klären. Neben der Investition sind die betrieblichen Kosten für die Abwägung der Maßnahmen relevant. Je nach Größe des zu schützenden Siedlungsgebietes sind unterschiedlich große Fördermengen erforderlich. Dabei können zeitweise Mengen in Höhe mehrerer Mio. m³/a erreicht werden.

In den erforderlichen Genehmigungsverfahren ist weiterhin zu prüfen, ob entsprechende Anlagen in ihren kumulativen Wirkungen mit den Grundwasserstandsvorgaben des Bewirtschaftungsplans, den naturschutz-, landschaftsschutz- und wassergesetzlichen Regelungen vereinbar sind.

7.    Welche Rolle spielt das System der Entwässerungsgräben?
Das Hessische Ried wird von einem System aus Entwässerungsgräben (Landgrabensystem etc.) sowie neu angelegter Bach- und Flussläufe (Sandbach, neue Weschnitz, etc.) durchzogen. Dieses System wurde über Jahrhunderte hinweg vom Menschen angelegt, um die ausgedehnten Feuchtgebiete des Rieds trockenzulegen und für die ackerbauliche Nutzung urbar zu machen. Auch die im 19. Jahrhundert durchgeführte Rheinbegradigung führte zu einer erheblichen Eintiefung des Flusses und damit zu abgesunkenen Grundwasserständen. Erhebliche Anstrengungen zur Entwässerung des Rieds wurden ab 1929 mit dem „Generalkulturplan Ried“ unternommen. Diese wurden erst in den 1960er/1970er Jahren mit dem Ausbau der Weschnitz und dem Tiefgrabensystem in Heppenheim beendet.


Ausbau der Weschnitz 1963

Abbildung 4: Ausbau der Weschnitz 1963 bei Einhausen Bild größer
Abbildung 4 ist der Broschüre „Ausbau der Weschnitz“ des Hessischen Ministeriums für  Landwirtschaft und Forsten (1963) entnom-men.
Im Vordergrund stand der Hochwasser-schutz. Die Entwässerung landwirtschaftli-cher Flächen war ein Zusatzeffekt aus den mit dem verbesserten Abfluss verbundenen Grundwasserabsenkungen. Sie sind am stärksten im Umfeld der Vorfluter wirksam.

Daher sind die Wirkungen des Entwässerungssystems auf weiter entfernte vernässungsgefährdete Siedlungen eher gering. Aufgrund des teilweise geringen Gefälles sind örtlich selbst für landwirtschaftliche Nutzflächen nur beschränkte Wirkungen möglich, wie es am Beispiel der sogenannten „Pfungstädter Seenplatte“ anschaulich wird. Weitgehend ausgenommen von den nahezu flächenhaften Entwässerungen war das Waldgebiet um den „Mönchsbruch“ zwischen dem Frankfurter Flughafen, Rüsselsheim und Mörfelden.

Bereits etwa ein Jahrzehnt später begann man in Umkehrung des Trends in direkter Nachbarschaft mit örtlichen Wiedervernässungen durch Einleitung von Oberflächenwasser in die Bensheimer Tongruben.

Die Entwässerungssysteme im Hessischen Ried stehen als Gewässer 2. und 3. Ordnung in kommunaler Trägerschaft. Diese Aufgabe wurde örtlichen Gewässerverbänden übertragen, wie dem „Wasserverband Schwarzbachgebiet-Ried“, „Modaugebiet“ und „Gewässerverband Bergstrasse“. Auch dieser Gewässerunterhalt steht wie die Grundwasserbewirtschaftung im Spannungsfeld unterschiedlicher Nutzungsinteressen zwischen Sicherung der Vorflut, z.B. durch regelmäßige Räumung und Vertiefung gegen die natürliche Verlandung einerseits und andererseits naturschutzfachlichen oder landschaftsästhetischen Interessen.

8.    Fazit aus Sicht der Wasserversorgung zur aktuellen Vernässungssituation
Die Problematik hoher Grundwasserstände und damit einhergehender Vernässungssituationen unterliegt komplexen Wirkungsmechanismen. Bei der Entwicklung von Gegenstrategien müssen diese Zusammenhänge berücksichtigt werden, wobei bei gleicher Grundproblematik die jeweiligen lokalen Besonderheiten stark voneinander abweichen können. Standardlösungen gibt es daher nicht. Lokale sinnvolle Maßnahmen können nicht einfach auf großräumige Gebiete übertragen werden.

Von Einzelinteressen geprägte Zielvorstellungen führen nicht zu konsensfähigen Lösungen und können die Interessen ausgleichenden Abwägungen des Grundwasserbewirtschaftungsplans nicht ersetzen.
Verständlich ist zwar, dass die Betroffenen nach Verursachern suchen, die durch vermeintlich zu viel Infiltration oder zu geringe Trinkwasserförderung nach ihrer Ansicht zum Schadensbild beitragen, doch entspricht dies nicht der Realität.

Teilweise abseits der Verantwortlichkeiten wurden einige Hilfestellungen erarbeitet. Die Gewässerverbände haben das Grabensystem ertüchtigt. Der WHR hat das Monitoring der Grundwasserstände intensiviert. Mit „Grundwasser-Online“ wurde eine vernetzte Informationsbasis geschaffen, die aktuelle Grundwasserstände bereitstellt. Das Land Hessen hat ein 10-Punkte-Programm aufgelegt und neue Grundwassermessstellen eingerichtet. Die Messwerte und weitere Informationen können auf den Internetseiten des Regierungspräsidiums Darmstadt und beim  Hessischen Landesamt für Umwelt und Geologie abgerufen werden. Zusätzlich wurden von Seiten der Wasserversorger den Kommunen in ihrem Einflussbereich Gutachten über Bemessungsgrundwasserstände für Bauwerksabdichtungen zur Verfügung gestellt.


Hessenwasser GmbH & Co. KG
Ressourcenmanagement
Volker Manger



 

 

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