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Aktuelles: Steigende Grundwasserstände: Infiltration teilweise abgeschaltet
Geschrieben am 26.05.08  Optionen: Druckversion Artikel versenden

Steigende Grundwasserstände Frühjahr 2008 Überhöhte Niederschlagsmengen haben  im März und April einen weiteren Grundwasseranstieg bewirkt. Nachdem die Infiltration vorsorglich bereits seit Herbst 2007 reduziert wurde, kam es im Januar und April 2008 zu lokalen Teilabschaltungen der Infiltration im Hessischen Ried.


Von November 2007 bis Januar 2008 war es zu trocken. Von Februar bis April 2008 waren die Niederschläge überdurchschnittlich. Mit vom Flurabstand abhängiger unterschiedlicher Zeitverzögerung steigt seit März/April der Grundwasserspiegel im mittleren Hessischen Ried deutlich an. Im Mai werden relativ hohe Werte erreicht. Dabei gibt es aber teilräumliche Unterschiede.

Trockene und nasse Zeiträume wechseln ständig

Der natürliche Wechsel zwischen Trocken- und Nassperioden, wie in der 2005 erschienenen Publikation des Hessischen Umweltministeriums „Das Hessische Ried zwischen Vernässung und Trockenheit“ (www.hmulv.hessen.de) beschrieben, ist prägend für das Hessische Ried. Zuletzt führte die Nassperiode 1999-2002 im Hessischen Ried zu einem Anstieg der Grundwasserstände. Viele Hausbesitzer und Landwirte waren durch Vernässung von Kellern und landwirtschaftlichen Flächen betroffen.

Der anschließende Zeitraum von 2003 bis 2006 war trockener als im langjährigen Mittel. Der damit verbundene Grundwasserstandsrückgang wurde mit den höchsten Infiltrationsmengen seit Bestehen des WHR im Einflussbereich der Infiltration abgebremst. Es ist das Gebiet zwischen Griesheim und der Weschnitz sowie zwischen Gernsheim und Alsbach-Hähnlein. Über den Infiltrationsbetrieb wird regelmäßig unter www.whr-biebesheim.de berichtet. Dort sind auch wesentliche Begriffe im Zusammenhang mit der Grundwasserbewirtschaftung erläutert. Mit normaler Grundwasserneubildung stellten sich 2007 fast überall die Grundwasserstände auf das Niveau um die Richtwerte des Grundwasserbewirtschaftungsplans Hessisches Ried (GWBP) ein. Im trockenen Winter 2007/08 änderten sich die Grundwasserstände nur wenig. Wegen des verregneten Frühlings steigen diese seit März/April anhaltend an.

Richtwerte zur Verhinderung von Setzungs- und Trockenheitsschäden

Die Richtwerte des GWBP liegen über den Mittelwerten der vergangenen 30 Jahre, um Schäden wegen zu tiefer Grundwasserstände zu vermeiden. Die Richtwerte sind daher eine maßgebliche Vorgabe für die Steuerung der Infiltration. Die Richtwerte entsprechen im mittleren Hessischen Ried verbreitet den Grundwasserständen der Nassjahre 1981-83. Bei wesentlich darüber hinausgehenden Grundwasserständen wächst deshalb zunehmend die Vernässungsgefahr in regenreichen Zeiträumen. Der GWBP weist daher auch darauf hin, dass wegen der niederschlagsbedingten Schwankungsbreite, die Konflikte zwischen tiefen und hohen Grundwasserständen nicht aufgelöst, sondern nur minimiert werden können.

Abschaltwerte verhindern Erhöhung der niederschlagsbedingten  Vernässungsgefahr

Die Abschaltwerte der Infiltration liegen deutlich unter dem von der niederschlagsbedingten Schwankungsbreite (Bewirtschaftungsband) vorgegebenen oberen Grundwasserständen. Weil die Infiltration weit vor Erreichen der niederschlagsbedingten Hochstände abgeschaltet wird, vergrößert sie die natürlich bestehenden Vernässungsgefahren nicht. Allein hohe Niederschläge können zu Vernässungen führen. Daher kam es 2001/03 weit abseits jeglicher möglicher Infiltrationsauswirkungen zu niederschlagsbedingten Vernässungen.

Grundwasserförderung: Kaum Veränderung

Die Grundwasserförderung veränderte sich in den letzten Jahren abgesehen von leichten jahreszeitlichen Schwankungen kaum. Der „ausgefallene“ Sommer 2007 führte zu leichten Rückgängen, die sich in den ersten Monaten 2008 fortsetzen. Diese geringen Veränderungen haben keine wesentlichen Auswirkungen auf die Grundwasserstandsentwicklung.

Infiltration: Betrieb streng nach Grundwasserbewirtschaftungsplan

Die Infiltration wird gemäß den Vorgaben des GWBP und dem daraus abgeleiteten Betriebsreglement betrieben. Sie wird bei Grundwasserständen unterhalb der Richtwerte erhöht bzw. verringert, wenn sie darüber liegen. Damit werden die Grundwasserstandschwankungen gedämpft. Die natürlichen Vernässungsgefahren in tief liegenden Gebieten mit geringen Grundwasser-Flurabständen werden so durch die Infiltration nicht erhöht. Setzungsgefahren durch zu tiefe Grundwasserstände wird aber wirksam entgegen gewirkt.

Aktuelle Grundwasserstandsentwicklung mit örtlichen Unterschieden

Nicht das gerade erlebte Wetter, sondern die Witterung ist für die Grundwasserstandsentwicklung maßgeblich. Örtlich variieren sowohl die Niederschläge, als auch der Zeitraum von wenigen Tagen bis sehr vielen Wochen, bis der Regen im Grundwasser ankommt. Nahezu überall zwischen Groß-Gerau und Lampertheim befinden sich die Grundwasserstände aktuell auf einem relativ hohen Niveau, das etwa dem zu Anfang der letzten Nassperiode 1999/2000 entspricht. Im Vergleich zu den Richtwerten gibt es jedoch örtliche Unterschiede.

Im nördlichen Teil des mittleren Rieds, zwischen Groß-Gerau (ohne Infiltrationseinfluss) und dem Pfungstädter Moor liegen die Grundwasserstände im Mai 2008 witterungsbedingt deutlich über den Richtwerten. Beispielhaft steht nachfolgend die Ganglinie der Messstelle (GWM) 527150 südlich von Griesheim. Der hier nur 0,4 m über dem Richtwert liegende Abschaltwert für die Infiltration wird fast erreicht. Der Grundwasseranstieg der letzten Monate ist ausschließlich niederschlagsbedingt, weil die Infiltration hier bereits im Januar, deutlich vor Erreichen des Abschaltwerts eingestellt wurde. Höhere Grundwasserstände wurden in den Zeiträumen zwischen 2001 und 2003 sowie vor 1970 gemessen. Das aus dem GWBP und der natürlichen Schwankungsbreite abgeleitete Bewirtschaftungsband wird eingehalten. Im Pfungstädter Moor wurde ein Abschaltwert für die ökologische Zuwässerung erreicht. Sie ruht bereits seit Dezember 2007.


Ganglinie der Grundwassermessstelle 527150

Ganglinie der Grundwassermessstelle 527150
© 
Hessenwasser GmbH & Co. KG 2008

Im südlichen Teil, zwischen Gernsheim und Lampertheim (südlich der Weschnitz) liegen die Grundwasserstände im Mai 2008 überwiegend knapp über bzw. knapp unter den Richtwerten. Beispielhaft steht nachfolgend die Ganglinie der Messstelle (GWM) 544018 aus dem Jägersburger Wald. Der hier 0,6 m über dem Richtwert liegende Abschaltwert für die Infiltration wird mit großem Abstand nicht erreicht. Der Richtwert wird nahezu erreicht. Hier hat die Infiltration den Rückgang im trockenen Winter 2007/08 vermindert. Erst in den letzen beiden Monaten erfolgte ein Anstieg im Zusammenwirken von fortgesetzter, aber verminderter Infiltration und natürlicher Grundwasserneubildung. Auch hier wurden höhere Grundwasserstände nur zwischen 2000 und 2003 sowie vor 1971 gemessen. Weiter ansteigende Grundwasserstände lassen den Abschaltwert noch lange nicht erreichen. Das aus dem GWBP und der natürlichen Schwankungsbreite abgeleitete Bewirtschaftungsband wird eingehalten.


Ganglinie der Grundwassermessstelle 544018

Ganglinie der Grundwassermessstelle 544018
© Hessenwasser GmbH & Co. KG 2008

Schnelle Anpassung und sicherer Infiltrationsbetrieb

Die Beispiele zeigen, dass sich die Grundwasserstandssituation räumlich leicht unterschiedlich darstellen kann. Daher wird die Infiltration nach den teilräumlichen Entwicklungen gesteuert. Aufgrund des höheren Ausgangswertes und unter Berücksichtigung der Prognose der winterlichen Grundwasserneubildung wurde die Infiltration bei Eschollbrücken schon Mitte Januar eingestellt. Mitte April wurde die Infiltration über Gräben nahe Allmendfeld gestoppt. In beiden Fällen wurde die Infiltration bereits vor Erreichen der Abschaltwerte eingestellt. Niederschlagsbedingt stiegen die Grundwasserstände im Folgezeitraum im Bereich Eschollbrücken an der GWM GE1130 und im Bereich Allmendfeld-Hahn an der GWM 527253 bis auf die Abschaltwerte und leicht darüber hinaus.
Im Gernsheimer und Jägersburger Wald ist dagegen eine fortgesetzte Infiltration erforderlich, um langfristig die Richtwerte des GWBP abzusichern. Die schon 2007 reduzierten Infiltrationsmengen wurden dort vorsorglich weiter verringert und können bei wieder sinkenden Grundwasserständen im Sommer wieder erhöht werden.
Die Erfahrungen mit dem Betriebsreglement zeigen, dass eine sichere, schnelle und effektive Grundwasserüberwachung und  Infiltrationssteuerung in der Betriebsführung durch Hessenwasser umgesetzt wird. Die Grundwasserstandsziele werden dabei vom GWBP des Landes Hessen vorgegeben.

Wie geht es weiter mit den Grundwasserständen?

Eine Vorhersage ist nur grob möglich, weil das Wettergeschehen nicht langfristig prognostiziert werden kann. Statistisch könnte nach der trockenen Periode 2003-2006 wieder eine nasse Periode auftreten, die wie in der Nassperiode 1999 bis 2003 mit niederschlagsbedingten, natürlichen Vernässungen verbunden sein wird. Offen ist wann, wie lange und wie stark sie dann ausfallen wird.
Wenn der Sommer 2008 zu nass ausfällt, steigen die Grundwasserstände weiter an. Bei einem normalen Sommer ist aber mit dem jahreszeitlich typischen Grundwasserstandsrückgang zu rechnen, ohne jedoch an dem relativ hohen Niveau grundsätzlich etwas zu ändern. Insofern wird erst der folgende Winter 2008/09 entscheidend sein, ob mit dem Jahr 2008 tatsächlich schon eine neue Nassperiode begonnen hat oder Petrus noch Aufschub gewährt. Ein einziger nasser Winter kann einen erheblichen Grundwasseranstieg von mehr als 50 cm bewirken, ein trockener Winter aber auch einen leichten Rückgang.
In jedem Falle wird die Infiltration zeitnah an die Grundwasserstandsentwicklung angepasst, die fortlaufend beobachtet wird. Aktuelle Grundwasserstände können online abgerufen werden.

Redaktion:
Volker Manger
Hessenwasser GmbH & Co. KG
Betriebsführung für den Wasserverband Hessisches Ried



 

 

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