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Aktuelles: Pfungstädter Moor: Zuwässerung dämpft Auswirkungen der Trockenphase
Geschrieben am 08.11.07  Optionen: Druckversion Artikel versenden

Zuwässerung Pfungstädter MoorDie geringe Grundwasserneubildung zwischen 2003 und 2006 hatte einen ungünstigen Einfluss auf die natürlichen Feuchtbiotope im Hessichen Ried. Durch die gesteuerte Zuwässerung aufbereiteten Oberflächenwassers konnten im Pfungstädter Moor jedoch wertvolle Arten und Moorgesellschaften sowie offene Wasserflächen gesichert werden. 


Nasse Jahre: Ein Segen für das Moor

Die witterungsbedingte Nassperiode 1999-2002 führte im gesamten Hessischen Ried zu einem schnellen Anstieg der Grundwasserstände. Die für viele Hausbesitzer und Landwirte wegen der Vernässung von Kellern und landwirtschaftlichen Flächen zu hohen Grundwasserstände waren für das Pfungstädter Moor ein Segen: längst verloren geglaubte Pflanzen- und Tierarten tauchten wieder auf.

Die lokale Ausbildung eines moortypischen Grundwasserspiegels im Bereich des Pfungstädter Moores wird seit Juli 1999 zusätzlich durch eine gezielte Einleitung von aufbereitetem Oberflächenwasser unterstützt. Mit dem Projekt „Wiedervernässung Pfungstädter Moor“, getragen von der Stadt Pfungstadt und der Hessenwasser GmbH & Co. KG als Sponsor, soll eine dauerhafte Wiederansiedlung feuchteliebender Tier- und Pflanzenarten unterstützt werden.

Der im Moor zu beobachtende Wandel war beachtlich: Im Jahr 2001 konnte erstmals wieder der in Hessen gefährdete Sumpf-Lappenfarn (Thelypteris palustris), eine für Erlenbruchwälder charakteristische Art, nachgewiesen werden. Eine weitere, zuvor verschollene Pflanzenart tauchte in den ehemaligen Torfgruben wieder auf: die Scheinzypergras-Segge (Carex pseudocyperus), die ebenfalls in Hessen auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen steht.


Scheinzypergras-Segge

Wiedergefundene Scheinzypergras-Segge
© BGS UMWELT 2005

Das im Rahmen des Pilotprojektes vom Büro Ökoplanung durchgeführte Biomonitoring erbrachte 2002 bei der Tierwelt einen noch schnelleren Wandel hin zu feuchtigkeitsliebenden Arten, seien es nun Amphibien, Heuschrecken, Käfer oder Vögel. Als besonders wertvolle Brutvogelarten wurden z.B. Blaukehlchen, Rohrweihe und Schwarzmilan nachgewiesen. Der Anteil feuchtigkeitsliebender Laufkäfer-Arten nahm von 15% auf 68% zu.

„Jahrhundertsommer“ 2003 als Bewährungsprobe für die Zuwässerung

Mit dem ausgesprochen trocken-heißen Jahr 2003 endete die Nassperiode abrupt. Geringe Niederschläge und hohe Temperaturen bewirkten einen schnellen Abfall der Grundwasserstandsspitzen im Hessischen Ried. Zum Ausgleich wurden die Zuwässerungsmengen drastisch angehoben: Nach etwa 10.000 m³ im Jahr 2002 waren es im Jahr 2003 schon 105.000 m³, in den folgenden drei Jahren bis 2006 wurden etwa 260.000 m³ pro Jahr im Moor verrieselt. Die Kosten für die Zuwässerung von jährlich bis ca. 75.000 Euro übernimmt Hessenwasser.

Die hohen Zuwässerungsmengen haben seitdem die erwartete Wirkung gezeigt: Im Zentrum des Moores kann der Grundwasserstand auf einem erhöhten Niveau gehalten werden. Mit zunehmender Entfernung von der Rieselleitung sinkt der Grundwasserspiegel jedoch wie vorhergesagt schnell auf das Niveau der Umgebung ab.




Zaunwinde überwuchert Segge

Wiedergefundene Scheinzypergras-Segge
© BGS UMWELT 2005

Untersuchungen belegen den Erfolg der Zuwässerung

Nach bislang vier Jahren (2003-2006) mit geringer Grundwasserneubildung und witterungsbedingt großräumig fallenden Grundwasserständen haben die Auswirkungen der Trockenheit auch in den äußeren Bereichen des Pfungstädter Moors zugenommen. Außerhalb des Einflussbereiches der Zuwässerung haben sich Brennnesseln und Zaunwinden wieder verstärkt in den Schilfröhrichten ausgebreitet, die Bestände der Scheinzypergras-Segge sind zurückgegangen. Für die Tierwelt liegen keine Untersuchungen vor, doch ist auch hier von einem Rückgang der moortypischen Arten auszugehen.

Durch die Untersuchungen im Jahr 2006 konnten aber auch positive Entwicklungen bestätigt werden. So nahm die Kronendeckung der Erlen in einer Beobachtungsfläche von 15 % im Jahr 2000 (verbreitet Wipfeldürre) über 35 % im Jahr 2003 auf 40 % im Jahr 2006 zu. Weiterhin vitale Bestände der Rispen-Segge weisen darauf hin, dass die positive Entwicklung der Nassperiode in der Nähe der Zuwässerungsleitung fortgeführt werden konnte.

Hessenwasser hat eine langfristige Absichtserklärung zur Finanzierung der Zuwässerungsmengen in Höhe von bis zu 300.000 m³/a gemacht. Sobald die weiteren Modalitäten der Maßnahme zwischen der Stadt Pfungstadt und Hessenwasser geklärt sind, wird eine vertragliche Absicherung angestrebt. 




Wasserflächen an der Zuwässerung

Offene Wasserflächen nahe der Zuwässerungsleitung (Sept. 2006)
© BGS UMWELT 2006


Neue Perspektiven für die räumlich begrenzte Zuwässerung

Die im Rahmen des Projektes „Wiedervernässung Pfungstädter Moor“ betriebene Einleitung aufbereiteten Oberflächenwassers zeigt wie erwartet auf einer Fläche im Kern des Pfungstädter Moores eine stabilisierende Wirkung. Hier können Tiere und Pflanzen feuchter Standorte auch trockene Jahre überdauern. Die übrigen Flächen des Moores sind jedoch weiterhin von der großräumigen Entwicklung der Grundwasserstände abhängig.

Für die Entwicklung moortypischer Pflanzen- und Tierarten in diesen Flächen hat die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) flankierend zur Zuwässerung eine zusätzliche Maßnahme durchgeführt. Zusammen mit der Stadt Pfungstadt und den Naturschutzbehörden ließ sie im Nordosten des Pfungstädter Moores ein Grabensystem von 350 m Länge ausheben. Das in den Gräben zutage tretende Grundwasser soll insbesondere die Ansiedlung von Vogelarten fördern, die in Röhrichten mit kleinen Gewässern brüten. Diese Maßnahme wird den Wert des Pfungstädter Moores für gefährdete Arten der Gewässer und Moore weiter steigern.

Darüber hinaus bietet eine weitere geplante Maßnahme zur regionalen Grundwasserbewirtschaftung eine hoffnungsvolle Perspektive: Hessenwasser setzt sich für den im Verbandsplan des WHR vorgesehenen Endausbau der Infiltrationsanlage Eschollbrücken/Pfungstadt ein. Durch die großräumige Aufspiegelung im Umfeld des Moores kann die positive Wirkung der lokalen Zuwässerung räumlich und zeitlich gesteigert werden, weil sie dann auf einem erhöhten Grundwasserstandsniveau erfolgt.

Aktuelle Grundwasserstände des Pfungstädter Moores können online abgerufen werden.

Redaktion Hessenwasser / M. Forst


Neue Gräben im Pfungstädter Moor


Neue, wassergefüllte Gräben im Nordosten des Pfungstädter Moores
(Feb. 2007)

© BGS UMWELT 2007



 

 

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